'Made in Germany' ist auch für Deutschlands IT ein Qualitätsversprechen

The next big thing in IT: probably not made in Germany – mit dieser düsteren These starteten wir am Donnerstagabend in unsere dritte Data & Wine-Runde. Ein Impulsvortrag von Geschäftsführer Markus Baumgärtner machte auf wichtige thematische Aspekte aufmerksam. Er eröffnete mit den Big Things, die neue wegweisende Geschäftsmodelle antizipieren. So ergeben durch neue Technologien neue Produkte oder Geschäftsmodelle, wie die verbesserte Spracherkennung eine neue Generation an sprachgesteuerten Interfaces hervorbrachte. Dazu kommen die disruptiven Innovatoren in Bezug auf bestehende Geschäftsmodelle, wie es Amazon, Airbnb oder Uber vermochten, indem sie altbekannte Marktstrukturen revolutionierten, um selbst den Markt zu dominieren.
Die internationale Konkurrenz ist groß. Auch eine technologische Bestandsaufnahme deutscher Unternehmen, vor allem mittelständischer Betriebe, erhellte die anfängliche These nicht. Viele Unternehmen setzen weiterhin auf Überstunden, statt technischer Reformation und Kooperation (Capgemini Studie IT-Trends 2019). Ein Modell ohne Zukunft. Doch woran scheitert es? Fehlt es an Innovationskraft, politischer Triebfedern oder lediglich Fachkräften? Darüber haben wir mit unseren Gästen debattiert.

Dank gutem Essen, köstlichem Wein und langen Gesprächen, fiel die Bilanz des Abends deutlich positiver aus als ursprünglich prophezeit - einstimmiges Urteil:
Deutschlands IT ist im internationalen Vergleich keinesfalls abgehängt, vielmehr liegt der öffentliche Fokus auf anderen Bereichen. Für deutsche Cutting Edge Technologien gilt weiterhin das Gütesiegel „Made in Germany“. Im Vordergrund stehen Qualität und Wissenschaft. Sich zunehmend formierende Tech-Start-ups, bilden mit Struktur und Kompetenz das innovative Milieu Deutschlands aus (IW Consult 2019). Pionier- und Vorreiterstellung wurde Deutschland vor allem im Bereich des autonomen Fahrens attestiert, auch wenn die öffentliche Wahrnehmung hierzu anders aussehen mag. Im Sinne der preußischen Tugenden gilt auch für Deutschlands IT: Mehr sein als scheinen.

Trotz einer jungen, dynamischen Branche, viel Know-How und technologischer Schöpfungskraft, fehlt es an zwei Punkten. So trifft mittelständische Solidität auf Unwissenheit. Deutsche Unternehmen müssten sich stärker mit dem Markt entwickeln und mehr Bereitschaft für die Adaption neuer Innovationen zeigen. Nur durch Digitalisierung und Algorithmierungen (z.B. Machine Learning) werden Arbeitsprozesse nachhaltig optimiert. Ähnliches gilt für die deutsche Politik: Solange Sicherheitsbedenken und Restriktionen den politischen Tenor beherrschen, wird es für Deutschlands IT schwierig sein mit den Global Playern mitzuspielen.

Wir bedanken uns für einen gedankenreichen Abend, das tolle Essen von Haas Catering und die erlesenen Tropfen von Thomas Sommer.

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